ghana 2006

(28. oktober bis 20. november)

Einleitung

Hier ist ein Reisebericht einer dreiwoechigen Ghana-Reise zu finden. Gereist bin ich mit Markus, einem Kollegen aus der Gymnasiumszeit.
Warum Ghana? Das ist die Frage die mir die meisten Leute stellen - nun, ich war auf der Suche nach einem Land in welchem es in dieser Zeit noch warm ist und in welchem man in drei Wochen etwas herumkommt. Zudem war ich noch nie in Afrika, ein weiterer Grund mal zu gehen und letzten Endes habe ich im Laufe des vergangenen Jahres drei Personen getroffen welche allesamt nur positives ueber Ghana berichteten.

Ghana allgemein

Land und Leute, Transport etc.

Ghana ist mit einer Flaeche von rund 240'000 Quadratkilometer etwa sechsmal so gross wie die Schweiz. Ghana grenzt im Osten an Togo, im Norden an Burkina Faso, im Westen an die Elfenbeinkueste, im Sueden ist der Golf von Guinea. Der hoechste Berg, der Mount Afadjato ist nur gerade mal 885 Meter ueber dem Meeresspiegel.
Von den 20 Millionen Einwohnern sind 42% unter 15 Jahren. Die Lebenserwartung ist mit 54 Jahren sehr tief. Zudem muessen rund 45% der Einwohner mit weniger als einem Dollar Einkommen pro Tag auskommen.
Ghana ist ein Veilvoelkerstaat, die Bevoelkerungszahl der unterschiedlichen Ethnien reicht von einigen hundert bis zu einigen Millionen Menschen. Die wichtigsten ethnischen Gruppen sind Akan (rund 44 %), Dagbone-Dagomba (16 %), Ewe (13 %).
Es herrscht dadurch auch eine grosse Sprachvielfalt, je nach Definition gibt es zwischen 46 und mehr als 100 Sprachen; Amtssprache ist Englisch. Leider muessen viele Sprachen Ghanas zu den „sterbenden Sprachen“ gezaehlt werden, das heisst die Zahl der Sprecher sinkt staendig. Hauptursachen sind das groessere Sozialprestige einzelner Sprachen (z. B. Fanti als Sprache des Handels), interethnische Eheschliessungen und die Abwanderung von Sprechern in grosse Staedte, in denen die Kinder die Mehrheitssprache uebernehmen.
Die Ghanaer sind sehr religioese Menschen, es faellt ihnen zumeist schwer, zu verstehen, wie ein Mensch keinen Glauben haben kann. Dabei ist nicht wichtig, ob man der christlichen Religion angehoert, Muslim ist, einer der traditionellen Religionen oder einem ganz privaten Aberglauben nachhaengt.
Kleidung: Die Kleidung der Ghanaer ist mit ihrer Farbenpracht eine leuchtende Freude. Die Frauen tragen, unabhaengig von ihrer Religion, aus modischen Gruenden haeufig kunstvoll gewickelte Kopfbedeckungen aus demselben Stoff wie ihre Kleider. Maenner tragen traditionell ein aus einem Stoffstueck hergestelltes gewickeltes Gewand, das einer roemischen Toga aehnelt.
Verkehr: Hauptverkehrsmittel ist das Trotro (Kleinbus), diese fassen zwoelf bis 22 Personen und kommen in allen Formen und Farben vor. Zumeist schmueckt sie ein Wahlspruch vorne auf der Windschutzscheibe oder am Heck, der haeufig religioesen Charakter hat oder einfach nur der Name des Fahrzeugs ist. Es gibt keine festgelegten Haltestellen, jeder der Einsteigen will, gibt dem Fahrer ein Zeichen und wird bei freien Plaetzen mitgenommen.
Musik: spielt im Leben aller Ghanaer eine wichtige Rolle. Eine charakteristische Musikgattung ist der seit den 40er Jahren der High Life. High Life vereinigt traditionelle Einfluesse mit Instrumenten, die durch die Kolonialmacht England nach Ghana gebracht worden waren. In den fruehen Formen hat High Life relevante Elemente aus dem Jazz entliehen und weiterentwickelt. Instrumente wie Saxophone, Schlagzeug, Trompete und Bass wurden verwendet. Spaeter kamen verstaerkt Percussioninstrumente dazu.
Klima: In Ghana gibt es keine Jahreszeiten, sondern einen Wechsel zwischen Regen- und Trockenzeit. Grob kann man den feuchten Sueden mit seinen immergruenen Regenwaldgebieten vom trockeneren Norden mit seiner Baumsavanne, Strauchsavanne unterscheiden. Der Harmattan, ein aus dem Nordosten wehender Passatwind, bestimmt zwischen November und Februar die trockene Jahreszeit.
Der immergruene Regenwald besteht hauptsaechlich aus bis zu 50 Meter hohen Baumriesen, unter anderem Mahagoni. Verschiedene Aufsitzer- oder Parasitenpflanzen wie Lianen, Bromelien und Orchideenarten kommen auch in einer grossen Vielfalt vor.
Die vielfaeltigsten Nutzpflanzen (Ananas, Bananen, Kochbananen (Plantain), Avocados, Papayas, Guaven und Zitrusfruechte) werden im Rahmen von Plantagenwirtschaft angebaut. Diese Plantagen liegen zumeist auf dem nunmehr gerodeten Gebiet des ehemaligen Regelwaldes. In der Savanne finden sich ausgedehnte Grasflaechen und vergleichsweise kleinere Baeume. Der einzeln stehende Baobab (Affenbrotbaum) ist in der Savanne durch seinen verhaeltnismaessig dicken Stamm weithin erkennbar und ein deutliches Charakteristikum der Savanne.
Die Tierwelt ist in Ghana auch sehr artenreich vertreten. Neben vielen tropischen Voegeln (Papageien, Hornvoegel, Perlhuehner etc.), finden sich auch etwa 50 Antilopenarten, Loewen, Leoparden, Schimpansen, Paviane, Geckos, Zibetkatzen, Elefanten, Bueffel, Flusspferde, Seekuehe, und Warzenschweine in Ghana. Insekten gibt es auch en-masse: ungefaehr 1'500 verschiedene Schmetterlinge, Termiten und verschiedene Muecken und Bremsen. Diese sind leider nicht nur artenreich vorhanden, sondern teilweise auch Uebertraeger von Krankheiten, wie etwa die Stechmuecke Anopheles fuer Malaria oder die Tsetse-Fliege fuer die toedliche Afrikanische Trypanosomiasis (Schlafkrankheit).
Geschichte: da es zuviel Platz benoetigen wuerde, die ganze Geschichte Ghanas hier zusammenzufassen gebe ich einen Hinweis auf eine gute Zusammenfassung: (wikipedia/Ghana).

Reisebericht

1. Etappe: Accra

Nach einem guten Flug von Zuerich ueber Amsterdam kommen wir am Samstag Abend um etwa 18 Uhr in Accra an. Accra ist die Hauptstadt von Ghana und hat etwas ueber 2.5 Millionen Einwohner. Im Flugzeug sind wir ueberrascht, dass es so viele Weisse gibt. Wir merken aber bald, dass dies in Accra nicht mehr so ist.
Nach langwierigen Passkontrollen kommen wir im Ankunftsbereich an, wo wir von Lily abgeholt werden. Sie ist eine Bekannte von Hans Buser welcher mehrere Jahre in Ghana gelebt hat und uns viele nuetzliche Informationen geben konnte. Das Klima haut einem fast um, es ist etwa 25 bis 30 Grad warm und die Luftfeuchtigkeit ist schlicht erschreckend. Mit Lily fahren wir zu verschiedenen Hotels bis wir endlich im Pan Hotel unterkommen. Wir merken schnell dass die Leute hier sehr freundlich sind, haben jedoch am Anfang schon ein bisschen ein komisches Gefuehl so durch die Strassen zu gehen.
Am Abend gehen wir noch schnell auf die Strasse in eine der vielen kleinen Bars um ein Bier zu trinken. Das ghanaische Bier schmeckt sehr gut. Schlafen kann ich die ersten zwei Naechte kaum, da es so verd.... heiss ist.
Erst am naechsten Morgen sehen wir wo wir ueberhaupt sind, da wir ja bei Dunkelheit angekommen sind. Fuer jene die das Kinderbuch Muraho kennen, so sieht es hier aus. Wir sind in der Millionenstadt Accra doch die Strassen sind aus roter Erde, mit Loechern drin. Es hat ueberall Schafe, Ziegen, Huehner und Frauen mit riesigen Lasten die sie auf dem Kopf balancieren. Auch die Werbungen hier sind keine Plakate sondern kunstvoll gemalte Bilder.
Am naechsten Morgen laufen wir durch unseren Vorort und nehmen ein Trotro (Kleinbus) in die Innenstadt. Obwohl es Sonntag ist, hat es viele Leute auf der Strasse. Die Gerueche und Eindruecke und die Tatsache, dass wir die einzigen Weissen Leute sind, erschlagen uns fast. Offene Abwasserkanaele direkt neben wohlriechenden Fruechten, buntgekleidete Frauen und einige Verkrueppelte Bettler - wir merken, dass wir schnell aus Accra weiterreisen muessen und erkundigen uns nach der Bushaltestelle, dass wir dann am naechsten Morgen weiterreisen koennen.

2. Etappe: Hohoe

Am naechsten Morgen fahren wir mit dem Bus von Accra nach Hohoe. Hohoe liegt in der Voltaregion an der Grenze zu Togo. Die Fahrt dauert etwa 5 Stunden und fuehrt durch viele Doerfer und Waelder. Im Bus sind wir etwa 30 Leute die auf engstem Raum beisammensitzen. Wir werden noch oft so reisen, doch ist es am Anfang gewoehnungsbeduerftig.
In Hohoe angekommen begeben wir uns auf die Suche nach dem Geduld Hotel. Es wird von einer Ghanaerin gefuert welche in Deutschland studiert hat. Auf dem Weg durch das Dorf werden wir von einer sehr starken Regenschauer ueberrascht so dass wir bei einem Haus Unterschlupf suchen muessen. Abends schlendern wir noch etwas durch die Stadt und ich lasse noch meine Haare schneiden. Sie sind viel zu lang fuer das hiesige Klima, allerdings sind sie nach dem Besuch beim Coiffeur viel zu kurz - naja, die wachsen ja wieder. Der Besuch beim Coiffeur war lustig, ich denke ich war sein erster Weisser Kunde und er hatte echte Probleme mit meinen duennen Haaren. Schlussendlich hat er sie mit Kamm und Rasiermesser geschnitten. Abends essen wir im Geduld Hotel, die Kueche ist sehr gut und das ghanaische Essen sehr gut.
Am naechsten Tag besuchen wir die Wli Wasserfaelle an der Grenze zu Togo. Wir fahren mit dem Trotro in ein kleines Dorf von wo aus die Wanderung durch schoenen Regenwald, voller Avocaco, Kakao, Ananas und Kaffeebaeumen fuehrt. Beim Wasserfall entscheiden wir uns noch an auf den Berg zu steigen wo der Wasserfall entspringt. Es sind 700 Hoehenmeter die sehr, sehr beschwerlich sind, erstens weil es so heiss ist, zweitens weil es so steil ist und drittens weil wir zuwenig Wasser mitgenommen haben. Zu allem Uebel loest sich noch die eine meiner Schuhsolen als wir oben sind, so muss ich bei jedem Schritt aufpassen, dass ich sie nicht noch ganz verliere....
Auf dem Rueckweg ins Dorf treffen wir auf einen belgischen Schmetterlingsforscher (Torben Larson), die Korifaehe auf dem Gebiet der westafrikanischen Schmetterlinge. Er erzaehlt uns viel darueber und als wir ihm sagen, dass wir Schweizer sind, sagt er uns, dass es dort ja nur 250 verschiedene Arten gaebe, hier in Ostghana immerhin etwa 500. Als er ein Exemplar faengt, erklaert er uns, dass es drei Arten gaebe, die fast identisch aussaehen. Deshalb isst er ihn kurzerhand und meint, der eine sei es sicher nicht, der schmecke naemlich nicht sehr gut.... Komische Leute gibts auf dieser Welt....
Unten angekommen warten wir in dem kleinen Dorf auf eine Transportmoeglichkeit zurueck nach Hohoe, es kommt auch noch ein Schuhmacher vorbei der beide meine Schuhe flickt. Zuerst bin ich skeptisch doch nach einer Stunde bekomme ich meine Schuhe zurueck, genaeht und geklebt, ich denke die halten jetzt fast so gut wie neue!
Die Leute hier haben oft auch Wanderschuhe und westliche Kleider, sie sagen uns die seien von "dead white men", die Caritas Sachen und Secondhand Kleider halten sie hier also fuer die Sachen Verstorbener, da sie nie solche Sachen wegwerfen wuerden....
Nach etwa zwei Stunden faehrt ein Grenzpolizist vorbei der uns mit nach Hohoe nimmt.
Abends treffen wir im Geduld Hotel auf eine waschechte Koenigin (Queen of Alavanyo). Sie ist eine Unternehmerin aus Deutschland welche viel in Hilfsprojekte in der Voltaregion steckt, als Dank wurde sie als Koenigin der Region gewaehlt (Alavanyo).
Am Tag drauf machen wir uns auf den Weg, den hoechsten Berg von Ghana den Mount Afadjato zu erklimmen. Zuerst muessen wir in Hohoe allerdings vier Stunden warten bis der Minibus gefuellt ist. Die Busse fahren hier nicht nach einem Fahrplan sondern einfach erst, wenn sie bis auf den letzten Platz gefuellt sind... Auf dem Weg haben wir einen platten Reifen und muessen zweimal das Auto aus einem Dreckloch rausschieben! Als wir beim Berg eintreffen, werden wir wieder verregnet, der Parkwaechter meint allerdings es werde bald aufhoeren - also machen wir uns auf den erneut sehr anstrengenden Aufstieg. Als wir fast oben sind, beginnt ein richtig starkes Gewitter, wir sind im dichten Regenwald und es regnet was das Zeug haelt. Also suchen wir Unterschlupf bei einer kleinen Felswand wo wir ausharren bis das Gewitter etwas nachlaesst, dann steigen wir schnell auf den Gipfel, wo wir leider keine Aussicht haben, und machen uns dann schnell auf den Abstieg. Unterwegs kommt uns der Parkwaechter entgegen, da er auf der Suche nach uns war.
Mit ihm laufen wir ins Nachbardorf wo gerade die Hauptprobe fuer eine Zeremonie stattfindet. Der Clan wir naechste Woche nach Togo reisen um ein verwandter Clan zu besuchen, dort muessen sie dann diese Zeremonie abhalten. Es ist eine Mischung von Magie, trommeln, tanzen, singen, diskutieren etc. Wir sind wieder die einzigen Weissen und werden immer wieder aufgefordert: take pictures, take pictures... dies muss man uns nicht zweimal sagen.
Zuruck nach Hohoe kommen wir auf der Ladeflaeche eines Pickups. Zuerst sind wir hinten drauf mit etwa 15 Kindern und Erwachsene die ins naechste Dorf gehen. Von dort sind wir noch zu viert hinten drauf, dies ist viel angenehmer.

3. Etappe: Fahrt ueber Yendi nach Tamale

Kurz nach Morgendaemmerung packen wir unsere Sachen und fahren mit dem Bus in Richtung Yendi. Eigentlich wollten wir von Hohoe mit dem Boot in den Norden, doch hat es im Volta See wenig Wasser, so dass das Schiff nur sehr unregelmaessig faehrt.
Mit dem ersten Bus gelangen wir auf einer mehr oder weniger geteerten Strasse nach Nkwanta. Bis hier ist die Landschaft sehr huegelig, ja fast bergig, mit vielen Waeldern, grossen Baeumen, Plantagen von Zuckerrohr, Bananen, Cassava etc. Weiter noerdlich wird es dann immer flacher und trockener.
In Nkwanta muessen wir in ein Trotro umsteigen. Im Dorf werden wir wiederum frenetisch begruesst und bestaunt, hierher verirren sich viel weniger Weisse (Obruunis = Wort der Einheimischen, uebersetzt 'weisser Mann') als zum Beispiel nach Hohoe. Wir muessen etwa zwei Stunden warten bis das Trotro voll ist und abfaehrt. Die Strasse ist nun nicht mehr geteert und die vielen Regenfaelle der bis vor kurzem aktuellen Regenzeit haben den Lehmstrassen sehr arg zugesetzt. Dementsprechend langsam und holpernd kommen wir voran. Nach einiger Zeit kommen wir in einem kleinen Dorf, dessen Namen ich vergessen habe an. Dort steigen wir um in ein Auto, welches uns nach Damango bringen soll, von dort, so sagt man uns gaebe es Anschluss nach Yendi.
Markus wird hinten auf der ueberdachten Ladeflaeche zugewiesen. Er sitzt auf einer Holzkiste und ist umringt von etwa 12 anderen Menschen von welchen niemand so wirklich Englisch spricht. Ich sitze vorne neben einer Frau mit ihrem Saeugling und dem Fahrer. Zwischen meinen Beinen ist ein Kanister mit Benzin in welchem ein Schlauch aus dem Motorenraum muendet. Dies ist also der Benzintank.... Nach etlichen Anfahrtsschwierigkeiten und nachdem nochmals etwa 10 Leute auf das Autodach gestiegen sind, machen wir uns dann endlich auf den Weg. Die Kiste ist so klapprig und kommt kaum vorwaerts. Die Frau neben mit kann auch kein Englisch und als ich ihr eine Banane fuer das Kind anbiete, isst sie mir den ganzen Vorrat weg, selbverstaendlich, oder?
Als wir endlich in Damango ankommen ist es schon am Dunkelwerden. Es stroemen unzaehlige Leute herbei um uns Obruunis zu sehen. Wir erfahren bald, das der Anschlussbus nach Yendi bereits gefahren ist, so entscheiden wir uns, zusammen mit vier nicht gerade schlanken Frauen ein Taxi zu nehmen. Markus sitzt mit einer davon auf dem Beifahrersitz und ich mit den restlichen dreien auf der Rueckbank (wohlgemerkt, in einem normalgrossen Auto!). Nach etwa 1.5 km Fahrt gehen die Lichter aus und wir koennen sie nicht mehr zum Leben erwecken. Das heisst wir muessen zurueck nach Damango fahren. Dort sind die Neugierigen Leute bereits ins Bett und das Dorf ist jetzt relativ ruhig. Wir sitzen mit unseren Begleiterinnen unter ein Vordach an der Hauptstrasse. Sie legen sich hin und breiten uns auch noch ein paar Saecke aus auf welchen wir schlafen koennen. So schlafen wir also im Freien in einem kleinen Dorf in Afrika. Morgens um zwei kommt ein Bus der leider schon voll ist, um vier kommt einer der in die falsche Richtung faehrt, also schlafen wir ab jetzt auf der Strasse um keinen weiteren zu verpassen. Um etwa 7 kommt ein Bus in welchem es noch Platz hat. Mit diesem Bus fahren wir nach Yendi.
Fuer diese Busfahrt ist eigentlich nichts sehr erwaehnenswert, ausser dass die Leute im Vergleich zu den bisher getroffenen eher unfreundlich sind. Dies ist vielleicht auch deswegen, weil sie schon seit etwa 10 Stunden in dem Bus sitzen und die ganze Nacht durchgeschuettelt wurden. In Yendi machen wir nur kurz Halt, auch hier sind die Leute nicht sehr nett, wir werden nicht gerade freundlich angeschaut und auch sonst macht sich die bisherige ghanaische Freundlichkeit nicht bemerkbar. Wir fahren mit dem Trotro weiter nach Tamale wo wir kurz vor Mittag ankommen.

4. Etappe: Tamale

In Tamale angekommen suchen wir als erstes ein Restaurant, wir haben ja schliesslich schon lange nicht richtiges mehr gegessen! Wir bestellen das Uebliche: Jollof Rice, das ist Reis mit einer pikanten Sauce aus Chili Schoten und Tomaten. Dazu gibt es meistens Poulet, Perlhuhn oder Fisch.
Nach dem Essen treffen wir Mary Billa, sie besitzt in Tamale eine kleine Schneiderei. Ihre Adresse wurde uns in der Schweiz vor unserer Abreise gegeben. Mary fuehrt uns zum "Al Hassan" Hotel, hier im Norden sind viele Leute muslimisch, daher der Name. Im Hotel beziehen wir unser Zimmer und gehen dann noch etwas in die Stadt wo wir den Markt besuchen. Abends treffen wir auf Mohammed, ein Schueler von vielleicht 14 Jahren, er zeigt uns den angeblich aeltesten Baobab (=Affenbrotbaum) von Ghana in welchem angeblich eine noch viel groessere Schlange leben soll - naja, schoene Geschichte - natuerlich wollte er dafuer Geld. Ja, den lieben Mohammed haben wir die naechsten paar Tage noch oft gesehen, immer mit neuen Obruunis (Weisse) denen er Geld abknoepfen wollte.


5. Etappe: Bolgatanga und Navrongo

Am naechsten Tag machen wir einen Ausflug an die Grenze zu Burkina Faso ganz im Norden des Landes. Zuerst fahren wir mit dem Trotro von Tamale nach Bolgatanga, von dort weiter nach Navrongo. Die Strassen hier sind sehr gut im Vergleich zu denjenigen im Osten des Landes. Dies ist hauptsaechlich deshalb so, weil hier der ganze Transport nach Burkina Faso stattfindet. Riesige, ueberladene Lastwagen bevoelkern die Strassen! In Navrongo machen wir uns auf die Suche nach dem "Health Research Institute". Mit im Gepaeck haben wir einige Geschenke die wir dort abgeben sollten. Nach kurzer Zeit finden wir das Institute und treffen den Direktor Abraham, er war auch schon einige Male in der Schweiz, das sie eine Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Tropeninstitut in Basel haben. Nachher treffen wir Wahab. Er zeigt uns die Laboratorien und wir koennen im Mikroskop Malaria-Erreger in menschlichen Blutzellen anschauen. Wahab begleitet uns daraufhin den ganzen Nachmittag und hat ein super Programm fuer uns organisiert. Zuerst fahren wir an die Grenze zu Burkina Faso (Navrongo-Paga). Dort essen wir und besichtigen anschliessend einen See, in welchem es sehr viele Krokodile gibt. Fuer ein kleines Entgelt wird man rumgefuehrt, kann die Krokodile anfassen und zusehen, wie ihnen ein lebendiges Huhn gefuettert wird. Nebenan gibt es verschiedene alte Haeuser die ebenfalls besichtigt werden koennen. Es ist interessant zu sehen wir die Menschen hier frueher lebten und wohnten und es zum Teil noch immer tun.
Mit Wahab fahren wir dann zurueck nach Bolgatanga wo wir uns in einer Bar noch lange unterhalten. Am fruehen Abend fahren wir mit dem Trotro wieder zurueck nach Tamale. Der wunderschoene Sonnenuntergang ueber der Steppe, dazwischen die vielen Baobabs runden diesen Supertag ab.

6. Etappe: Tamale 2

Am naechsten Tag machen wir einen Ruhetag. Am Morgen besuchen wir Mary im Maryland (ihr Kleidergeschaeft), plaudern ein wenig mit ihr und ihrer Schwester und auch mit den Naeherinnen. Anschliessend besuchen wir den Markt wo wir unter anderem ein paar Fleischverkaeufer treffen. Sie wollen allesamt 'gesnappt' werden (=fotografiert). Wir unterhalten uns mit ihnen und lassen uns erklaeren was man mit all den Sachen die sie verkaufen kochen kann, zum Beispiel Kuhschaedel, Kuhbeine oder Klauen.... Danach setzen wir uns ins Crest, eine schone Bar im Stadtzentrum mit einer grossen ueberdachten Terrasse. Hier schreiben wir Postkarten und geniessen mal das Nichtstun. Abends packen wir unsere Sachen, da wir am naechsten Tag in den Mole Nationalpark fahren wollen.

7. Etappe: Mole Nationalpark

Am fruehen Nachmittag ist es endlich soweit und der Bus nach Mole faehrt in Tamale ab. Wir haben Glueck uns sitzen direkt hinter dem Fahrer, so haben wir gute Sicht nach vorn und ich kann die Beine wenigstens ein Bisschen strecken... Die erste Stunde fahren wir auf einer guten Teerstrasse gen Sueden, dann zweigen wir ab und fahren auf einer ungeteerten Strasse in Richtung Mole und Wa. Die Strasse ist in schlechtem bis sehr schlechtem Zustand. Und es steigen immer mehr Leute in den Bus. Am Schluss ist alles voll mit Leuten, Bananen, Taschen, Tueten etc. etc.
Wir fahren durch unzaehlige kleine Doerfer in welchen die Leute noch sehr urpruenglich leben - so macht es auf alle Faelle den Eindruck. Runde Lehmhuetten mit Strohdaechern, Ziehbrunnen, kleine Maniok- und Bananenplantagen. Die meisten Leute im Bus wohnen im einen oder anderen Dorf und fahren wohl jeden Tag nach Tamale um ihre Produkte am Markt zu verkaufen.
Nach etwa 4 oder 5 Stunden Fahrt kommen wir endlich in Mole an. Mit uns kommt noch ein weiterer Schweizer an und auch eine Gruppe von vier deutschen Maedels die in der Naehe von Accra in einem Waisenhaus arbeiten. Nach dem Bezug der Zimmer gehen wir im Restaurant essen - und geniessen den lauen Sommerabend. Es hat auch noch ein Schwimmbad welches natuerlich auch noch in Beschlag genommen wird.
Am naechsten Morgen wachen wir relativ frueh auf, vor der Unterkunft laeuft gemaechlich ein Elefant vorbei, auf der Wiese hat es Paviane und Warzenschweine!!! Nach dem Fruehstueck gehen wir mit den anderen und einem Ranger auf einen Spaziergang in den Park. Es hat hier so viele Antilopen, Elefanten, Affen etc.! Einfach unglaublich. Wir koennen die Elefanten beim Baden im See, beim Schlammbaden und beim Essen beobachten.
Nach einem guten Mittagessen und etwas Schwimmen (wir holen uns einen immensen Sonnenbrand - einmal ein Schwimmbad und schon ists passiert) gehen wir am Nachmittag auf eine Jeep-Safari.

8. Etappe: Tamale, Kumasi und Bosumtwi See

Vom Mole Nationalpark fahren wir wieder mit dem Bus zurueck nach Tamale. Dort werden wir am Abend von Familie Billa zum Abendessen eingeladen. Es ist schoen bei einer Familie Zuhause zu essen und zu sehen wie die Leute hier wohnen. Viele Verwandte haben ihre Kinder Peter und Mary anvertraut, so dass sich hier im Haus viele Kinder die Zimmer teilen muessen. Etwas erstaunt hat uns, als ploetzlich die Haustuere aufging und die eine Verwandte mit dem Roller quer durch das Wohnzimmer fuhr um ihn in der Kueche zu versorgen. Wird wohl viel gestohlen in der Umgebung...
Am naechsten Morgen fahren wir mit dem Bus nach Kumasi. Wir nehmen nun das erste Mal den klimatisierten Bus, da es eine lange Fahrt ist, und wir wieder einmal etwas mehr Platz wuenschen.
Kumasi ist die zweitgroesste Stadt Ghanas und hat etwas ueber eine Million Einwohner. Vom Bustermial gehen wir zum Presbytarian Guesthouse. Dort bekommen wir ein Zimmer. Die Presbytarian Church wurde einst von der Basler Mission gegruendet. Noch heute sind hier in Kumasi viele Ueberbleibsel der deutschen Missionare zu finden, zum Beispiel die "Basel-Road" oder die "Guggisberg-Road". Am Nachmittag gehen wir noch ein wenig durch die Strassen, essen hier und dort was von einem Stand (zum Beispiel feine Fleisch-Spiesschen). Abends gehen wir in eine Bar in der Stadtmitte und geniessen ein kuehles "Star".
Am naechsten Tag fahren wir mit dem Bus in Richtung des Bosumtwi Sees. Nach einer Weile muessen wir in ein Sammeltaxi umsteigen, da kein Bus direkt zum See faehrt. Im Dorf beim See angekommen werden wir davon abgehalten zum See zu gehen. Zuerst muessen wir uns eine Geschichte zum See und zum Dorf anhoeren, und anschliessend natuerlich auch noch dafuer bezahlen. Als wir dem See entlang laufen, werden wir wiederum aufgehalten und gebeten, doch einen Fuehrer zu nehmen - natuerlich wieder gegen Bezahlung. Wir gehen dann ohne Fuehrer baden. Nach dem Bad kommen wieder ein paar Halbwuechsige und wollen - natuerlich wieder Geld. Wir packen unsere Sachen und verlassen so schnell wie moeglich mit dem naechsten Sammeltaxi das Dorf am See. Schade das man hier so verfolgt und bedraengt wird. Es waere wirklich schoen hier, allerdings hat bei unserem Besuch das Wetter nicht richtig mitgespielt - es war so dunstig, dass man nur wenige hundert Meter weit sehen konnte.

9. Etappe: Besuch einiger Handwerkerdoerfern

Am naechsten Tag gehen wir zum Kumasi-Markt, hier wimmelt es von Leuten und es ist uns fast "too much". Also gehen wir zum Taxi-Stand und fragen, wieviel eine Stunde Taxifahren kostet. Nach einigem Verhandeln finden wir einen Fahrer, der bereit ist, uns fuer 40'000 Cedis pro Stunde rumzufahren. Wir beabsichtigen einige Handwerker-Doerfer zu besuchen, die in der Umgebung von Kumasi liegen.
Zuerst fahren wir in ein Dorf in welchem Glasperlen hergestellt werden, dazu wird altes Glas (pulverisierte Flaschen) in Tonformen gefuellt. Damit nach dem Brennen ein Loch in den Perlen ist, wird in jede Form vor dem Befuellen mit dem Pulver, ein kleines Stueck eines Astes gelegt. Nach dem Brennen ist das Stueck Holz verbrannt und es bleibt ein Stueck Glas mit einem Loch zurueck. Dieses wird nun geschliffen und oder bemalt.
Auf dem Weg zum naechsten Dorf kommen wir noch an einer Art Kulturmarkt am Strassenrand vorbei. Hier bieten viele Haendler ihre Dinge an, allerdings ist die Zahl der "Obrunis" zu denjenigen der Haendler in keinem Verhaeltnis. So werden wir gleich nach dem Aussteigens von einer ganzen Vielzahl von Verkauefern in ihre Staende gezogen und wir muessen jeweils versprechen, dass wir den naechsten Stand auch noch besichtigen...
Nach einigen Staenden wird es uns zuviel und wir fahren ins naechste Dorf - ein Faerber-Dorf. Hier werden Stoffe gefaerbt und mit Mustern bedruckt. Es ist eindruecklich wie flink die Leute die Stoffe bedrucken.
Nun ist es Zeit ein weiteres Dorf zu besuchen - ein Kentedorf. Kente ist ein typisch Ghanaischer Stoff. Er wird auf einem Webstuhl von Hand gewoben. Der Stoff ist jeweils nur 10 bis 15 cm breit und etwa 1 bis 2 Meter lang. Fuer ein grosses Stueck werden einfach einzelne Streifen aneinander genaeht. Es gibt die unterschiedlichsten Farben und Symbole - alle mit einer ganz bestimmten Bedeutung. Nach dem Besuch einer Kente-Weberei, die meisten der Weber sind uebrigens Maenner und nicht wie man vermuten wuerde Frauen, gehen wir nach einer kurzen Pause in einer Bar wieder zurueck nach Kumasi. Der Taxifahrer fand nach eigenen Angaben den Ausflug mit uns sehr interessant und angenehm. Viele Dinge hat er selbst noch nie gesehen - zum Beispiel die Herstellung der Glasperlen. Er hat uns bei all den Besichtigungen auch begleitet und uns gewisse Dinge auch uebersetzt.

10. Etappe: Fahrt an die Kueste

Am nachsten Tag fahren wir mit dem Bus weiter in Richtung Kueste. Die Landschaft wird wieder gruen und man merkt, dass es hier wieder viel mehr Regen gibt als im Norden. Auch wird es zunehmend schwueler, was vor allem bei den Pausen bemerkbar wird, da wir wieder in einem klimatisierten Bus reisen. Nach etwa 5 oder 6 Stunden (bei Capecoast) ueberhitzt der Motor unseres Busses und wir sind gezwungen anzuhalten und auf einen Ersatzbus zu warten. Wir wollen jedoch unsere Reise so schnell wie moeglich fortsetzen und machen uns auf die Suche nach einem Kleinbus der uns nach Takoradi bringt. Der Fahrer moechte zuerst viel zu viel Geld von uns und auch fuer unser Gepaeck moechte er zuviel. Nach einigem Verhandeln, in welchem auch einige ghanaische Mitreisende involviert sind, muss er fuer uns den gleichen Preis machen, wie fuer die anderen. Ansonsten drohten ihm andere mit dem Aussteigen! Sowas sollte einem mal in Europa passieren!
In Takoradi angekommen fahren wir weiter mit dem Trotro nach Agona Junction. Von dort gehen wir mit dem Taxi ueber Dixcove zur "Green Turtle Lodge". Diese Lodge wird von einem jungen Paar aus England gefuehrt und befindet sich etwa zwei Kilometer vom naechsten Dorf an einem wunderschoenen Palmenstrand. Da es keine freien Huetten mehr hat, stellen wir unser Zelt im Sand zwischen den Palmen auf. Am Abend essen wir wunderbaren Fisch und geniessen die Strandatmosphaere im wunderschoen eingerichteten Resort. Tags drauf gehen wir dem Strand entlang in Richtung Westen ins Fischerdorf. Wir werden von ein paar Kindern zu einer Ruine gefuert. Hier haben wohl die Englaender oder Portugiesen einmal ein kleines Fort gebaut, welches nun allmaehlich vom Wald wieder eingenommen wird. Im Wald liegen noch schwere Kanonen rum und an den verfallenen Mauern sind dicke Efeu und andere Schlingpflanzen gewachsen. Im Dorf treffen wir dann auch Joseph den Lehrer. Seine Frau ist gerade am reinigen der Fische, die ein Mitglied der Familie gefangen hat. Joseph sagt uns, seine Frau koenne fuer uns Abendessen kochen, gegen ein kleines Entgelt. So kommen wir also am Abend wieder ins Dorf. Joseph empfaengt uns und fuert uns in sein Wohnzimmer, welches er vorher herausgeputzt hat. Hier sitzen wir nun inmitten einem fremden Wohnzimmer an einem gedeckten Tisch und essen. Entgegen unseren Vorstellungen essen die anderen nicht mit uns - es ist also eine Art Privatrestaurant in einem Wohnzimmer! Als uns ein paar Kinder durch das Fenster (naja, kein richtiges Fenster, da kein Glas vorhanden - wie nennt man das dann, "Loch in der Wand" oder "glasloses Fenster"?) erblicken kommen immer wieder Neugierige vorbei um zu sehen wer da beim Lehrer Zuhause am Essen ist. Nach dem wunderbaren Essen schickt er seine Kinder rein zum saubermachen und schon bald kommen sie Fingerleckend raus, sie haben unsere Resten aufgegessen.

11. Etappe: Bushua und Butre

Von der Green Turtle Lodge laufen wir am Morgen los um im nahegelegenen Fischerdorf ein Trotro zu finden. Mit diesem fahren wir dann nach Dixcove und noch etwas weiter zur Abzweigung welche nach Butre und Bushua fuehrt. Wir fangen an der Strasse entlang zu gehen und sind froh, dass wir nach kurzer Zeit ein Taxi finden, welches uns nach Bushua faehrt. Im Dorf angekommen beziehen wir unser Quartier (eine gemauerte Rundhuette im afrikanischen Stil mit Strohdach) im Alaska Guesthouse. Das Guesthouse ist gut eingerichtet, mit Bar, Kueche, Souvenirshop, Sandstrand etc. Wir essen zuerst mal ein englisches Fruestueck - wir merken, dass der Boss hier Englaender ist, und grossen Wert auf ein echtes englisches Fruehstueck legt! Dann gehen wir ins Dorf wo wir uns auf die Suche nach Lobster (Hummer) machen. Wir treffen auf Steven der uns verspricht Lobster fuer uns zu kochen, wir sollten einfach den Rest mitbringen.
Zum Mittagessen gehen wir in ein kleines Lokal mit dem Namen 'Frankies Pancakes'. Wir bestellen dort Pfannkuchen - und warten fast eineinhalb Stunden. Es dauert halt lange, wenn man zuerst das Feuer machen muss, dann die Zutaten auf dem Markt holen, dann das Geschirr etc. abwaschen und zu guter letzt noch die Pfannkuchen braten muss! Nach dem Essen laufen wir mit dem Gaertner unseres Guesthouses dem Strand entlang und ueber einen Berg ins Nachbardorf (Butre). Die Afrikaner sind wahre Kampfwanderer und wandern definitiv nicht um etwas zu sehen oder die Wanderung zu geniessen sondern einfach um ins naechste Dorf zu gelangen. So muessen wir unserem Fuehrer immer wieder sagen, er solle doch etwas langsamer gehen! In Butre hat es eine Ruine eines alten deutschen Fortes (Fort Batenstein), die wir besuchen. Von oben hat man einen super Blick ueber das Dorf und den wunderschoenen langen Sandstrand mit Palmen. Nach einer kurzen Rast in Ellies Guesthouse (absolut empfehlenswert!!!) machen wir uns auf den Rueckweg.
Wieder in Bushua gehen wir zu Steven mit unserem Benzinkocher, Pfanne, Reis, Gewuerzen etc. In einem noch nicht ganz fertig gebauten Haus koennen wir unser Gekoech starten. Wir kochen Tomatenrisotto und Steven kocht fuer uns die 5 Lobster. Das Essen schmeckt einfach koestlich!

12. Etappe: Cape Coast und Elmina

Am naechsten Morgen (14.11) fahren wir mit dem Trotro nach Takoradi, dort holen wir noch ein letztes Mal Geld. In der Bank fragt die Angestellte Markus noch ob er wisse warum sie kein Visum fuer die Schweiz erhaelt zu guter letzt kann sie uns nicht die richtige Menge Geld geben da sie keine Tausend Cedi Scheine haetten - und dies auf einer Bank. Da hilf nur noch der mittlerweile bekannte Spruch 'I give you thousand, you give me twothousand' und siehe da, Zweitausender Scheine haben sie wirklich!
Von Takoradi fahren wir weiter mit dem Trotro nach Elmina wo wir das Schloss 'Sao Jago' besuchen. Das Schloss wurde 1471 von den Portugiesen erbaut und ist das aelteste europaeische Bauwerk in den Tropen. Das Schloss war die Zentrale des Goldhandels, Elfenbein bevor es zum Zentrum des Sklavenhandels wurde. Von hier aus wurden Sklaven nach Amerika und in andere Teile der Welt verschifft. Die Bedingungen waehrend der Zeit des Sklavenhandels muessen total unmenschlich gewesen sein, dies merkt man schnell bei der Besichtigung der Burg und der Kellerverliese wo die eingefangenen Schwarzen zu hunderten zum Teil waehrend Monaten auf das Verladen warten mussten. Fast kein Licht, keine frische Luft, kein Abwassersystem und sehr wenig Essen... Nach der Besichtigung von Sao Jorge fahren wir mit dem Trotro nach Cape Coast wo wir ein weiteres Schloss (Cape Coast Castle) besichtigen. Dieses Schloss wurde 1664 von den Englaendern erbaut und diente vorwiegend dem Sklavenhandel. Somit gibt es hier noch viel mehr unterirdische Bunker und Verliesse in welchen die Sklaven gefangen waren. Nach dem Besuch dieser zwei geschichtstraechtigen Orten mussten wir wieder etwas Luft haben und so fuhren wir mit dem Trotro zum Hans Botel, einem Guesthouse zwischen Cape Coast und dem Kakum Nationalpark. Es hatte wieder einmal ein Schwimmbad welches sofort von uns in Beschlag genommen wurde. Abends hatten wir ein feines Nachtessen auf der Veranda des Botel (Schwimmendes Hotel). Von der Veranda aus koennen wir Krokodile, Eisvoegel, Reiher und Webervoegel beobachten, abends dann auch noch Fledermaeuse.

13. Etappe: Kakum Nationalpark

Am Morgen fahren wir zusammen mit einem Schweizer Sprachforscher, der seit ueber 10 Jahren in Afrika wohnt, in den Kakum Park. Dort gehen warten wir im Visitor's Center bis die Fuehrung beginnt. Im Kakum Park gibt es noch relativ urspruenglichen Regenwald und viele verschiedene Tiere. Auch die sehr seltenen Waldelefanten sollen hier noch heimisch sein. Die Hauptattraktion im Park ist der 'Tree top walk', dies ist ein System aus Haengebruecken und Plattformen auf welchem man den Regenwald aus einer anderen Perspektive sieht. Der hoechste Punkt ist etwa 40 Meter ueber dem Boden. Die Aussicht ist herrlich und man sieht viele Schmetterlinge und Voegel.
Vom Park fahren wir zurueck nach Cape Coast, wir machen Autostopp und schon bald nimmt uns ein Pickup mit. Wir sitzen hinten auf der Ladeflaeche, es ist eine supertolle Fahrt. Das Auto muss allerdings alle 5 km halten um Wasser in den Kuehler zu fuellen. Anscheinend hats da irgendwo ein Leck aber niemand weiss wo...
In Cape Coast nehmen wir ein Trotro nach Winneba, dies ist eine kleine Stadt am Meer zwischen Cape Coast und Accra.

14. Etappe: Winneba und Monkwadze

Die Suche nach einer Unterkunft gestaltet sich als sehr schwierig. Das erste Guesthouse das wir besuchen hat ein freies Zimmer, jedoch nur fuer eine Nacht, das zweite Hotel ist ausgebucht und das dritte sehr teuer und auch sehr abgelegen. Deshalb gehen wir zum ersten zurueck wo wir unser Quartier beziehen. Das Guesthouse ist eigentlich ein Studentenhaus, hat aber noch vier Zimmer das es anderen Gaesten vermietet. Unsere Wohnung besteht aus Wohnzimmer, Schlafzimmer und Bad, dies kostet und 50'000 Cedi fuer eine Nacht, was etwa 7 Franken entspricht! Dies ist die billigste Unterkunft die wir je hatten. Das Zimmer ist direkt am Meer und der Strand ist hier wunderschoen, die Wellen sind jedoch auch sehr gross was uns vom Baden abhaelt. Zum Glueck hat es noch eine Art Swimming Pool am Meer wo die Wellen immer wieder frisches Meerwasser reinspuehlen. Hier waschen wir endlich auch wieder mal unsere Kleider, nach Cape Coast und Kakum sind die meisten Sachen wieder verschwitzt und dreckig.
Abends gehen wir ins Center wo wir zuerst in einer Bar ein 'Star' trinken und dann machen mir uns auf den Weg etwas Essbares zu suchen. Dies gestaltet sich als sehr schwierig. Zu allem Uebel werden wir unterwegs noch von einem 'Immigration Officer' kontrolliert. Er studiert unsere Paesse und befragt uns nach Reiseroute etc. etc.
Nach einer langen Wanderung durch die Stadt und einer Taxifahrt in die Outskirts finden wir schlussendlich doch noch ein gutes Ghanisches Restaurant. Da im gleichen Haus noch ein Hotel ist, fragen wir, ob wir die naechste Nacht dort uebernachten koennen, doch uns wird gesagt, dass zwei Maenner nicht im gleichen Zimmer uebernachten koennen...
Am naechsten Morgen machen wir uns auf um nach Monkwadze zu fahren. Ein Freund unseres Taxifahrers hat dort anscheinend einen schoenen Resort der von einem Bruder, der in Oesterreich eine Tanzschule betreibt, gehoert. Das ist hier immer so, jemand kennt jemanden der jemanden kennt oder mit jemandem verwandt ist, der genau das macht oder hat was man gerade sucht!
Im Resort angekommen merken wir bald, dass wir die einzigen Gaeste sind. Der Resort ist noch nicht ganz fertig gebaut, die Lage ist hingegen wunderbar und sicherlich wird es in Zukunft auch schoen aussehen, wenn die provisorische Kueche weg ist und die Pflanzen im Garten etwas gewachsen sind. Beim Anschauen der Zimmer merken wir, dass hier europaeischer Einfluss beim Planen war. Die Badezimmer sind gross, die Terrasse auch, mit Liegestuehlen und IKEA Ausstattung. Nach einem guten Mittagessen, auf welches wir allerdings fast zwei Stunden gewartet haben geht Markus den schoenen Palmenstrand begutachten und ich lege mich hin. Ich habe mir in dem klimatisierten Bus wohl eine Art Bronchitis eingefangen und fuehle mich ziemlich mies da ich kaum mehr atmen kann. Nachmittags kommen noch einige Jungs des nahegelegenen Dorfes vorbei und gehen fuer uns Kokosnuesse ernten. Es ist erstaunlich wie schnell die Kinder auf die hohen Palmen klettern, einige Nuesse runterwerfen und dann wieder runterleiten! Anschliessend wollen auch sie, wie die meisten Kinder, dass Markus Fotos macht, auf der Digitalkamera koennen sie direkt die Fotos anschauen, sie haben alle einen riesen Spass. Abends essen wir wieder Fisch mit Sauce und Reis und gehen dann bald schlafen, da der Generator nicht funktioniert und es wieder einmal ‚Light-OFF’ ist. Am naechsten fahren wir mit dem Taxi zurueck nach Winneba Junction von wo aus wir mit dem Trotro nach Accra fahren.

15. Etappe: Accra

Zurueck in Accra werden wir von Lily abgeholt. Zuerst gehen wir zu Abraham, einem Freund von ihr essen. Er ist Koch, Restaurantbesitzer etc. etc. Er laedt uns ein, am naechsten Tag mit ihm und Lily in die Kirche zu kommen. Wir sagen zu und fahren dann mit Lily in ein kleines Hotel in der Stadtmitte.
Zuerst muessen wir unsere Kleider waschen, da wir in den letzten paar Tagen dazu keine Zeit oder keine Moeglichkeit hatten, danach gehen wir in die Stadt wo wir noch einige Souvenirs einkaufen. Als erstes besuchen wir das Arts-Center wo wir beide eine ghanaische Trommel (Kpanlogo) kaufen. Nach zaehem hin- und her einigen wir uns dann auf einen Preis. Wir merken, dass es viel teurer ist als zum Beispiel in Kumasi, doch haetten wir die Trommel dann die ganze Zeit von Kumasi bis nach Accra mitschleppen muessen. Nachdem wir noch dies und das eingekauft haben, machen wir uns noch auf, um in der Stadt etwas zu essen. Dazu gehen wir nach Osu, dem IN-Quartier. Hier gibt es viele Touristen und Diplomatenkinder, McDonalds und Luxuslaeden. Wir finden auch ein chinesisches Restaurant in welchem wir Hummer bestellen. Schliesslich muessen wir noch unser restliches Geld ausgeben, da man dies in Europa nicht und in Ghana nur zu sehr schlechten Bedingungen machen kann.
Am nachsten Morgen werden wir von Lily und Abraham abgeholt um in die Kirche zu gehen. Es ist ein Riesenerlebnis! Die Kirche ist gerammelt voll, und uns faellt auf, dass es im Gegensatz zu Europa auch sehr viele junge Leute in unserem Alter hat. Vorne auf der Buehne wechseln sich verschiedene Pfarrerinnen und Pfarrer ab mit dem Vorlesen von Bibeltexten oder der Bekanntgabe verschiedener Termine und Finanzen. Dazwischen wird gesungen, getrommelt und Musik gemacht, dazu tanzen alle Leute in den Reihen – da koennten wir wahrlich etwas lernen! Nach etwa dreieinhalb Stunden verlassen wir den Gottesdienst fruehzeitig da wir noch einige Dinge in der Stadt einkaufen wollen. Heute, so sagt man uns, war Erntedankfest, deshalb ging es laenger als sonst. Am Schluss kamen noch verschiedene Choere auf die Buehne und haben ihre Gesangs- und Tanzdarbietungen gezeigt.
Nach der Kirche gehen wir nochmals in die Stadt wo wir nochmals einkaufen gehen, dann besuchen wir noch den Regierungssitz von Ghana (in einem ehemaligen Sklavenschloss in Accra). Allerdings ist er Sonntags geschlossen. Dann besuchen wir noch das Unabhaengigkeits-Denkmal an der Kueste und kaufen uns auf der Strasse noch frische Fruechte.

16. Etappe: Am Flughafen

Am Abend fahren wir mit unserem Gepaeck zum Flughafen. Das Einchecken geht ohne Probleme vor sich, unsere Trommeln werden in Plasik gewickelt und eingechecked. Dann passieren wir die Passkontrolle und schon befinden wir uns weit entfernt von den kleinen und so schoenen Doerfern die wir auf unserer Reise gesehen haben. Im Duty-Free Shop kaufen wir noch ein paar Esswaren und trinken ein letztes ‚Star’.
Der Flug nach Amsterdam verlaeuft ohne irgendwelche Zwischenfaelle. Das ‚Hindu-Meal’ ist wiederum super und unser Sitznachbar ist sichtlich neidisch, dass wir etwas spezielles zum Essen bekommen.
In Amsterdam muessen wir umsteigen – dabei fallen uns die hier herrschenden Sicherheitsvorkehrungen auf. Die haben waehrend unseres Ghana-Aufenthaltes massiv geaendert. So darf man keine Fluessigkeiten mehr transportieren... Unsere Wasserflaschen werfen wir weg doch die Konfituere und die scharfe Sauce die wir im Duty-Free gekauft haben verstecken wir im Handgepaeck. Beim Roentgen unserer Gepaeckstuecke hoeren wir nur ein ‚ohoh’ vom Security-Mann beim Roentgen-Apparat, und schon kommen die Sicherheitsleute zu uns und befragen uns. Nach langem Hin- und Her, dem Zeigen der Quittungen des Airport-Shops in Accra etc. lassen sie uns die Sachen behalten – nochmals Glueck gehabt!
Nach einer Stunde kommen wir dann wohlbehalten in Zuerich an und freuen uns wieder zuhause zu sein

17. Etappe: Schlussbemerkung

Die drei Wochen in Ghana waren wirklich super! Das Leben hier ist so anders als bei uns und gibt Einblick in voellig fremde Lebensweisen, Traditionen und Werte. Ueberall freundliche und hilfsbereite Personen zu finden war sicherlich ein Hoehepunkt. Obwohl ich ueber Ghana und seine Leute voller Lobes bin, werde ich wohl viele Jahre nicht mehr nach Afrika reisen da es sehr anstrengend ist, wenn man mit weisser Hautfarbe so krass auffaellt. Man hat staendig Aufmerksamkeit, man wird staendig angeschaut, angestarrt, angefasst. Selten hingegen wird man wegen Geld oder einer Adresse gefragt, doch das staendige ‚Herausragen aus der Masse’ fand ich sehr anstrengend. Sicherlich kann man lernen damit umzugehen, doch dafuer sind drei Wochen schlicht zuwenig Zeit.






Informationen zu Ghana gibt es unter anderem hier:
(www.ghanaweb.com)